Von “FOCUS“ am 19.10.2019 aufgegriffen: Das Leben eines 13-jährigen Jungen sollte mehr wert sein als eine Geldbuße

Der Starnberger See bei München ist im Frühling kalt. Schmelzwasser aus den Bergen kühlt ihn zu dieser Zeit teilweise auf unter acht Grad. Wer bei solch einer Temperatur ins Wasser fällt, hat kaum eine Chance zum Überleben, wenn er durch keinen Neoprenanzug geschützt wird. Am 19. April 2015 kam es zudem zu Böen der Windstärke fünf. Trotzdem führen zwei Erwachsene (Mediziner und erfahrene Ruderer) mit 20 Schülern – darunter auch ein 13-jähriger – auf diesem kalten See einen Ruderkurs durch. Der 13-jährige Schüler ist ein Ruder-Anfänger und er wird allein in einen Renn-Einer gesetzt – ohne Handy. Um 18.15 Uhr sehen ihn seine Mitschüler zum letzten Mal. Dann ist er verschwunden. Sein Boot wird später vollgelaufen und er wenige Tage später tot auf dem Grund des Sees gefunden.

Es wurde einige Monate später Anklage gegen die beiden Aufsichtspersonen von der Staatsanwaltschaft München II wegen Tötung des Jungen durch „fahrlässige Unterlassung“ erhoben. Das Landgericht München II fand wegen „Überlastung“ keine Zeit, sich mit dem Fall zu beschäftigen. Vor einem Jahr wurde der Fall an das Amtsgericht Starnberg abgegeben. Die zuständige Richterin ließ inzwischen die Verfahrensbeteiligten wissen, dass sie erwäge, die Sache gegen eine Geldbuße einzustellen.

Berechtigt fragte deshalb „FOCUS“ aktuell, ob es das gewesen sein kann. Kann es sein, dass Richter nicht erkennen, dass der Rechtsstaat steht und fällt mit seiner Fähigkeit, Recht zu sprechen?

Ein Urteil über solch einen Gerichtsbezirk in unserem Lande sollte sich jeder Leser selbst bilden.